Fitness Tracker Jawbone Up 24 im Test

Fitness Tracker: Jawbone UP 24

Sport für Nerds. Self Quantification mit dem UP 24 am Handgelenk. (Bild: Jawbone)

„What gets measured, gets managed“ – Was man misst, das wird gemanaged. Für mich persönlich stimmt das total. Ich bewege mich mehr und lebe gesünder, wenn ich weiß, dass es irgendwo von schlauen Gadgets aufgezeichnet wird. Seit ich zum Beispiel Nike Plus vor einigen Jahren als damals recht unsportlicher Typ entdeckt habe, bin ich damit bis heute immerhin 3772 KM weit gejoggt. Irgendwie hilft mir das automatische Trainingstagebuch seit Jahren dabei, morgens früher aufzustehen und Sport zu treiben.

So viele Fitness-Tracker
Den ersten Fitbit, den ein Kollege angeschleppt hat, fand ich schon spannend. Bis er meinte, er habe das Hosentaschen-Gerät in der Jeans vergessen und mitgewaschen. Das wäre mir mit Sicherheit auch passiert – doch kein Kauf. Der Kollege hat den Fitbit inzwischen übrigens durch den schicken Tracker „Misfit Shine“ ersetzt und empfiehlt diesen. Mein Kollege Nico hat sich kürzlich einen Withings Pulse O2 zugelegt und berichtet ähnlich positives. Als ich neulich mal in New York sein durfte, hätte ich mir fast ein Nike Fuelband zugelegt – Nike Plus nutze ich ja schon seit Jahren. Abgeschreckt hat mich nur die bekloppte Fantasie-Einheit „Nike Fuel“, in der das Gerät misst.

Das Jawbone Up fand ich immer am interessanteste, es störte mich aber neben den Kinderkrankheiten das antiquierte Synchronisieren über den Audio Port. Man musste das Gerät tatsächlich jedes Mal über den Kopfhörerstecker ans Smartphone anstöpseln. Im Jahr 2013.

Über einen Blog bekam ich mit, dass Jawbone in den USA inzwischen den Nachfolger, Jawbone UP 24, auf den Markt gebracht hatte. Das UP 24 sieht aus wie der Vorgänger, hat aber endlich eine ordentliche Bluetooth Schnittstelle. Da ein Kollege zwischen US und Deutschland pendelt, nutzte ich das Turnschuhnetzwerk und ließ mir die neueste Version für 149 $ mitbringen.

Was macht das Jawbone UP 24?

Die Jawbone App auf dem iPhone ist hübsch, aber die Bedienung ist etwas suboptimal. Weniger wäre manchmal mehr.

Die Jawbone UP 24 App auf dem iPhone ist hübsch, aber die Bedienung ist etwas suboptimal. Weniger wäre manchmal mehr.

Schrittzähler
Das UP 24 wird wie ein Armband getragen, über USB alle 7 Tage  aufgeladen und trackt mit der MotionX Technologie (kennt man von der Nike Plus App) die Schritte, die man den Tag über so macht. Dabei ist es egal ob man rennt oder spaziert, jeder Schritt zählt gleich. Man gibt sein gewünschtes Durchschnittsziel ein (empfohlen sind 10.000 Schritte pro Tag) und kann dann in der iPhone App verfolgen, wie nahe man seinem Ziel bereits gekommen ist. Für einen Menschen mit Bürojob ist es gar nicht so einfach, die 10.000 am Tag vollzukriegen – da muss man schon mal eine Ubahnstation früher aussteigen und in der Mittagspause einen Spaziergang machen. Außerdem kann das Gerät so eingestellt werden, dass es dem Träger per Vibration einen Hinweis gibt, wenn er z.B. eine Stunde lang inaktiv war. Ich stehe dann im Büro auf, gehe ein paar Schritte und führe mein nächstes Telefonat im Stehen.

Wertung
Der Schrittzähler ist sehr simpel aber recht präzise. Meine normale Joggingstrecke hat 5 KM. Das Armband zählt da etwa 4800 Schritte und rechnet die auf 4,8 KM hoch, was ich für ein unkalibriertes Gerät ganz gut finde. Man kann es übrigens kalibrieren, aber das ist so kompliziert dass ich es abgebrochen habe. Was mit dem einfachen Gerät überhaupt nicht funktioniert ist z.B. das Messen von Aktivitäten wie Fahrrad fahren – damit kommt das UP24 nicht klar. Auch wenn man etwa einen Kinderwagen schiebt und dabei die Hand mit dem Armband am Griff hat kommt das Gerät aus dem Takt.

Schlaf-Tracker
Das Jawbone UP 24 soll man auch nachts tragen, es dient als Schlaftracker und stummer Wecker. Vor dem Einschlafen versetzt man das Armband in den Schlafmodus, wo es dann die Bewegungen trackt, mit denen man sich nachts im Bett herumwälzt. Daraus ermittelt das Gerät dann (etwas über den Daumen gepeilt) die Tiefe der Schlafphasen. Morgens nach dem Aufstehen versetzt man das Armband wieder in den Tagesmodus, wodurch die Schlafdauer recht genau verzeichnet wird. Ein nettes, kleines Zusatztool ist der „intelligente Wecker“ der einen innerhalb eines definierten Zeitfensters zu einer Leichtschlafphase per Vibrationsalarm wecken soll. Das funktioniert ziemlich gut und stört den Partner nicht.

Wertung
Das Schlaftracking ist eher ein Gimmick und ziemlich ungenau. Teilweise gratuliert die App jungen Eltern nach einer katastrophal durchwachten Nacht zu 8 Stunden tiefstem Schlaf. Eigentlich taugt nur die Funktion, die den Zeitpunkt des Zu-Bett-Gehens und des Aufstehens loggt. Der „Smarte“ Wecker ist ein nettes Feature, man wird aber auch nicht fitter dadurch. Immerhin ist er wirklich lautlos.

Ernährungstagebuch
Außerdem kann man die iPhone App dazu nutzen, seine Mahlzeiten zu dokumentieren. Dazu gibt es eine (online) Datenbank mit sehr vielen hinterlegten Gerichten und deren Nährwerten. Wenn man eine gute 3G Verbindung hat, dann kann man hier recht schnell eintragen, was man so zu sich genommen hat. Oft verwendete Kombinationen (mein Frühstück sieht fast immer gleich aus) kann man auch selbst anlegen. Am Ende des Tages sieht man eine Auswertung von Kalorien, Zucker, Fett etc. So bekommt man recht schnell ein Gespür für sein eigenes Ernährungsverhalten.

Wertung
Nicht schlecht. Wer damit ernsthaft Kalorien zählen möchte, der wird sich sicher bald über die nicht für den deutschen Markt angepasste Produktdatenbank mit vielen Dubletten aufregen. Auch die Portionen sind umständlich einzugeben. („Sie hatten 100 ml Bier.“ Wer hatte jemals 100 ml Bier???). Immerhin führt es dazu, dass man sich hier und da die Chips spart, weil man zu faul ist sie einzutippen.

Was ist gut am Jawbone Up 24?

Wie schon gesagt funktioniert der „Quantified Self“ Ansatz bei mir ziemlich gut als Selbstmotivator. Wenn man morgens vor dem Aufzug steht und daneben die Treppe sieht, dann hat es etwas seltsam überzeugendes, dass die Treppe auf einmal Punkte gibt. Vielleicht ist es die alte Videospiel-Sozialisation, denn Jawbone bietet mit bewährten Gamification Elementen wie Tageszielen, Serien und „Du bist unter den Top 30 % der UP-Usern gelandet“ Meldungen die Motivation, die man aus Computerspielen kennt. Manchmal stehe ich abends zähneputzend im Bad und laufe auf der Stelle um die Serie nicht abreißen zu lassen. Der Tracker am Handgelenk macht einem auch bewusst, wie wenig körperliche Aktivität man mit einem Computerjob eigentlich tatsächlich bekommt. Schöner Nerd-Bonus: Man kann über den Webdienst „IFTTT“ kleine Makros schreiben, die automatisch häufig verwendete Aktionen ausführen. So wie „Logge einen Kaffee immer, wenn ich aufgestanden bin.“

Was nervt am Jawbone Up 24?

Das Gerät ist in seiner Einfachheit nicht besonders präzise (kein GPS oder so) und hat sicher seine Macken. Die App ist optisch schick, hat aber fast schon zu viele Funktionen und lässt sich ein wenig zu hakelig bedienen. Weniger wäre hier mehr. Die deutsche Lokalisation der Ernährungsdatenbank ist ziemlich unvollkommen, erfüllt aber ihren Zweck.

Fazit
Ein schönes Spielzeug, das tatsächlich das Bewusstsein für den eigenen Lebensstil schärft. Das Armband erinnert einen immer daran, doch vielleicht die nächste eMail im Stehen zu lesen und die Treppe statt des Aufzugs zu nehmen. Vielleicht könnte man diesen Effekt auch viel günstiger mit einem normalen Armband oder einer einfachen roten Schnur am Handgelenk erzielen. Die hätte aber wieder kein Bluetooth. Wie Sheldon Cooper sagt – everything is better with bluetooth.

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