Wie ich zum Verbrecher wurde – eBooks kaufen als Dilemma

eBooks im epub und mobi format - amazons kopierschutz nervt

Kindle, eBooks und DRM. Ein Buch mit sieben Siegeln. ( Quelle: whereisyoumind @ flickr.com )

Ich bin ein Verbrecher. Es ist eine Tragödie. Wie ein antiker Held habe ich mich schuldlos schuldig gemacht – dabei wollte ich nur das Richtige tun. Das war nämlich so:

Neulich war ich in einem teuren Szenebezirk. Dort besuchte ich einen richtigen Buchladen mit Verkäufern und Papierbüchern. Mein Blick fiel auf ein Buch. Es hieß „Warum jeder jedem etwas schuldet und keiner jemals etwas zurückzahlt: Die bizarre Geschichte der Finanzen“ von John Lancester. Ich wollte das Buch kaufen.

eBooks? Ham wa nich.
Jetzt ist es aber so, dass ich Bücher nur noch auf meinem Kindle eBook Reader lese. Der leuchtet nämlich im Dunkeln und so kann ich abends im Bett noch ein Stündchen lesen während mein besseres Drittel schon schläft. Win-Win, wie Lancester sagen würde.
Lose-Lose allerdings in der Zwischenzeit im Papierbuchladen, denn eBooks gibt es da gar nicht. Ich stand also kaufbereit bei dem Händler, der mich gerade in seinem teuer gemieteten Shop von einem seiner Produkte überzeugt hatte – konnte mein Geld dort aber nicht loswerden.

Drei Wege aus dem Dilemma.
Folgende Szenarien bieten sich da an:

  • Ich kaufe das Papierbuch, stelle es ungelesen ins Regal und lade mir dann zu Hause das eBook kostenlos von einer Tauschbörse runter. Das wäre illegal, aber nicht unmoralisch.
  • Ich zahle dem guten Buchhändler gar nichts, gehe nach Hause und kaufe das Buch im bösen Amazon Kindle Store. Das wäre legal, aber unmoralisch.
  • Ich drücke dem Buchhändler fünf Euro für die Inspiration in die Hand und kaufe das eBook bei einem weniger bösen Internet-Händler als Amazon. Das wäre moralisch, aber man wird ziemlich komisch dafür angekuckt.

Ich entschied mich für Variante 3, den Kauf bei einem weniger bösen Shop als Amazon. Zu Hause landete ich nach kurzer Netzsuche auf buecher.de, wo es das eBook für 15,99 Euro gibt. Nach dem Kauf konnte ich es direkt herunterladen und nach ein paar Minuten war die Datei auf meiner Festplatte. Im .ePub Format.

Das funktioniert so nicht.
Blöd nur, das mein Amazon Kindle das .ePub Format als einziger eReader auf dem Markt nicht unterstützt. Ich hatte also ein elektronisches Buch gekauft, das ich nicht elektronisch lesen kann. (Ich war kurz davor, es einfach noch mal als .mobi illegal von einer Tauschbörse runterzuladen, aber fand das an der Stelle doch blöd – immerhin war ich ethisch korrekt schon so weit gekommen und hatte bereits eine gewisse emotionale Bindung zu der 15,99 Euro Datei auf meiner Festplatte entwickelt.)

Nach kurzer Recherche fand ich raus, wie einfach man mit dem Programm Calibre ePub-Dateien in das Kindle-Format .mobi umwandeln kann. Prima, so komme ich wohl doch noch dazu, mein legal erworbenes Buch auf meinem legal erworbenen eReader zu lesen. Wenn da nicht der Adobe-DRM Kopierschutz wäre, den buecher.de in das von mir gekaufte Buch eingebaut hat. Dieser verhindert nämlich das Drucken, Kopieren und Transformieren der Datei in jeglicher Form.

Eine kurze Netzrecherche später finde ich in dunklen Quellen ein Plugin für Calibre, das genau diesen Kopierschutz entfernt und mir nach einem Mausklick endlich ein .mobi für meinen Kindle ausspuckt. Soll ich es wirklich tun? Das Umgehen eines Kopierschutzes ist ein Bruch des Urheberrechts – auch wenn ich das eBook bezahlt habe und nicht auf anderem Weg lesen könnte. Ich gebe auf. Ich mache mich trotz bester Absichten strafbar. Odyssee beendet – Urheberrecht gebrochen.

Noch mal kurz zusammengefasst:
Um ein Buch kaufen und lesen zu dürfen musste ich nur

  • einen klassischen Buchhändler verärgern
  • einen ethisch vertretbaren eBook Händler suchen
  • Basiskenntnisse in Informatik erlernen
  • eine halbe Stunde googlen
  • und schließlich beim Umgehen des Kopierschutzes gegen Paragraf §§ 95a des Gesetz über Urheberrecht verstoßen.

Jetzt mal im Ernst, Buchhandel:
Sowohl am digitalen als auch dem analogen Ende lässt sich wohl noch einiges optimieren. Wenn Ihr es z.B. schaffen würdet, eure Kunden nicht zwangsweise in die Illegalität zu drängen – das wäre super! Es ist nämlich im Augenblick deutlich einfacher das blöde eBook gleich bei irgend einer schrammeligen Filesharingbude für umsonst runterzuladen als legal ein eBook bei euch zu kaufen. Das wäre auch nicht „illegaler“ für mich als die Nummer mit dem Kopierschutz gewesen – nur viel schneller.

Ein Positivbeispiel ist übrigens der Verlag Haffmans & Tolkemitt: Bei dem Hardcover des tollen Buchs  „Graham Chapman: Autobiografie eines Lügners“ lag gleich der Downloadcode für das eBook bei. Als .ePub, aber ohne DRM. Problem gelöst. Bitte in Zukunft immer so machen.

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3 Comments

  1. Virginia 30. September 2013 Reply

    sehr amüsant geschrieben 🙂

  2. Der Bini 22. April 2014 Reply

    Habe mir gerade einen Tolino gekauft und exakt dasselbe Problem. Zudem möchte ich gerne die Bücher welche ich noch ungelesen, physisch im Regal stehen habe als epub Datei auf meinen neuen eBook Reader laden. Nur, woher soll ich die nehmen. Illegal runterladen oder was?

  3. Nike 11. Januar 2015 Reply

    Solange ebooks nicht weiterverhökert oder sonstwie weitergegeben werden, ist gegen einen Download z.B. bei nitroflare für den „einmaligen PRIVATgebrauch“ nix einzuwenden, so ich im Internet gelesen hab. Die sehen doch auch, dass uns nur lästige Steine in den Weg gelegt werden, was wollen sie machen, uns alle verklagen, abmahnen, aufknüpfen??? drm ist eh ein Irrweg, da würd ich mir gar keine Gedanken drüber machen. Als ebook-reader habe ich noch ein altes Bebook (kann alle Formate), das erste, das auf den Markt kam. Die neumodischen Dinger kommen mir nichts ins Haus. Vor allem telefoniert meins nicht heim, denn es hat keine Internetkomponente. Mit einem reader sollte man nur lesen und sich nicht dadrauf auch noch bevormunden lassen.

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