Google Ingress: Schnitzeljagd für Geeks

Spielfeld Stadt

Google Ingress: Spielfeld Stadt

Mein Kumpel Timo ist völlig angefixt. „Wir treffen uns um 20:00 Uhr und gehen zum Leveling Ground am Jungfernstieg. Du brauchst auf jeden Fall dein Android Handy, ich schick dir einen Invite Code. Und lad den Akku voll auf!“ Ich verstehe nichts, bin aber neugierig warum Timo seit einigen Wochen in jeder freien Minute durch Hamburg zieht und unsichtbare Portale sucht. Samstag Abend, Punkt 20:00 sitzt er neben mir im Car2Go und wir rollen Richtung Alster. „Mann, ich hab mein Nexus 4 heute hingeworfen. Kaputt! Mein erster Gedanke war: Oh Gott, jetzt kann ich kein Ingress mehr spielen!“ Hmm. Wie süchtig macht dieses Ingress eigentlich und will ich wirklich damit anfangen?

Aber der Reihe nach. Timos Frau Anne, eine ehemalige Kommilitonin von mir, arbeitet bei Google in Hamburg. Sie erwähnte vor einiger Zeit ein neues Augmented Reality Spiel namens Google Ingress. Es handelt sich dabei um ein Multiplayer Online Spiel für Android Smartphones, das sich stark am Vorbild des Geocachings oder der klassischen Schnitzeljagd orientiert.

Erfunden hat Ingress übrigens ein echter VIP: Kein geringerer als der Vater von Google Earth, ehemaliger „Director of Geo“ John Hanke. Richtig spannend wird es wohl, wenn Google Glass von Ingress unterstützt wird. Dann wird Augmented Reality tatsächlich so, wie im Science Fiction versprochen.

Das Spielfeld von Google Ingress ist dabei quasi unlimitiert – wenn es eine Google Map davon gibt, ist das Gebiet Teil des Spiels. „Landmarks“ wie Denkmäler, Häuser oder Bahnhöfe werden auf der virtuellen Karte zu Portalen, die von dem einen oder anderen Team in Anspruch genommen werden können. Es gilt, sie einzunehmen, auszubauen und zu verteidigen. Im Grunde ein wenig wie Graffiti-Battles, allerdings unbemerkt von Nicht-Eingeweihten und ohne die rechtlichen Probleme. Man sammelt Punkte, baut seine Fähigkeiten aus und steigt irgendwann ins nächste Level auf. Timo ist Level 7, momentan ist 8 das Höchste.

Unterwegs mit Ingress
Und plötzlich stapfe ich Samstag Nachts mit meinem euphorisierten Kumpel durch das eiskalte, verschneite Hamburg und verfluche die Tatsache, dass man Touchscreens nicht mit Handschuhen bedienen kann. Ich sammle virtuelle Gegenstände wie Schlüssel, Munition und Schutzschilde auf und hacke gegnerische Portale. Als mein Akku zu Neige geht, reicht mir Timo einen Ersatz-Akku. „Das ist das Erste, was ich mir nach einer Woche Ingress gekauft habe“. Ausser uns sind in dieser Nacht noch überraschend viele andere Spieler unterwegs. Am Casino am Stephansplatz kommt es plötzlich zu einem Grabenkampf. Timo versucht ein Portal einzunehmen, das von unsichtbaren Gegnern verbittert verteidigt wird. „Wo sitzen die Kerle bloß“? schimpft er, während er auf seinem Nexus 7 eine digitale Rakete nach der Anderen auf die unsichtbaren Schilde des Casino Esplanade abfeuert. Ein betuchtes älteres Ehepaar in Abendgarderobe und Pelzmantel schiebt sich an uns vorbei und schaut irritiert. Mir wird schlagartig bewusst, dass ich Ihnen die Situation nicht mal erklären könnte, wenn ich es unbedingt wollte. Augmented Reality, GPS, Google Maps, unsichtbare Portale – manchmal merkt man gar nicht, wie schnell wir in die Zukunft driften.

Das Ingress-Portal, auch bei Ihnen um die Ecke

Das Ingress-Portal: Jetzt auch bei Ihnen um die Ecke

Nach 3 Stunden komme ich durchgefroren und erschöpft zu Hause an. „Du hast 4 Portale in der direkten Nachbarschaft, nicht schlecht“ meint Timo noch fast ein bisschen neidisch. „Inzwischen brauche ich die Karte auf dem Telefon kaum noch, ich weiß schon, wo die Portale sind. Außerdem kenne ich mich inzwischen tausend mal besser als vorher in Hamburg aus“. Ich muss zugeben, das Spiel macht Spaß. Ich habe schon bei Jogging-Apps wie dem tollen Zombies, Run! gemerkt, wie motivierend solche Gamification-Ansätze mit angebundener Community sind. Ich werde vielleicht nicht zu so einem Ingress-Junkie wie Timo werden, aber auf meinem Arbeitsweg in Zukunft mit Sicherheit häufiger die App starten.

Google Ingress: Closed Beta und Invites
Ingress befindet sich aktuell noch in einer Closed Beta Phase, Interessierte können unter ingress.com um einen Invite bitten oder Anne auf Google Plus eine Message schicken. Seid nett und kreativ, dann schickt sie euch einen Invite-Code.

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3 Comments

  1. kevinGZ 17. März 2013 Reply

    Netter Artikel. Bin auch ein Ingress Spieler und mag es nicht mehr missen.

  2. mthie 17. März 2013 Reply

    Ach, schon wieder einer mit der falschen Faction. So bekommt die Resistance in Hamburg nie ordentliche Gegner.

  3. Phillipp Ohlandt 17. März 2013 Reply

    Schöner Artikel.
    Auf meiner Website (http://www.phillipp-ohlandt.de/) vergebe ich noch 6 Ingress Codes.

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