Archive for Jun. 2011

Hacktivism: Wird 2011 das Jahr der digitalen Wutbürger?

Anonymous und LulzSec, zwei lose Verbände von internationalen Hackern, rufen zur digitalen Revolution. Nachdem große Konzerne bereits vor einigen Wochen tausende Nutzer- und Kreditkartendaten verloren, stehen nun auch staatliche Einrichtungen wie die US-Zentralbank oder die CIA im Fadenkreuz. LulzSec kündigt großspurig an, auf “jede Regierung oder Behörde zu feuern, die ihnen im Weg steht.“ Nebenbei platzt dank Crowdsourcing ein prominenter Doktortitel nach dem anderen und die Namen von 400 NPD-Spendern werden öffentlich. 2011 könnte das Jahr des Hacktivism werden. Was bedeutet das für uns? Und wie ändert sich der Journalismus dadurch?
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Gay Girl in Damascus: Ist denn hier überhaupt keiner eine Lesbe?

Amina Arraf bzw. Jelena Lecic

Amina Arraf, wie das Internet sie kannte. Rebellisch, lesbisch, fake.

Einige Wochen lang hatten die Blogosphäre, aber auch Zeitungen wie The Guardian oder die Washington Post, einen neuen Darling: Gay girl in damascus. Die angebliche syrische Bloggerin Amina Arraf soll von Geheimdienstlern auf offener Straße attackiert und entführt worden sein. Print- und Onlinemedien berichteten ausgiebig, weil Amina deutlich hübscher ist als Ai Weiwei als ausdrucksstarkes Symbol für die Unterdrückung von Minderheiten in totalitären Systemen steht. Jung, lesbisch, wortgewandt und rebellisch. Ein Journalistentraum.
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Wohnungsmakler: Zombies der Digitalzeit.

zombie

"Couuurtaaageee. Urghhh." (dhollister@flickr.com)

Häufig umziehen zu müssen ist eines der Haupt-Ärgernisse unserer flexiblen Arbeitswelt. Man wühlt und klickt sich dauernd durch schlecht programmierte Asta-WG-Börsen, belästigt Facebook-Kontakte zweiten Grades und schielt voller Verzweiflung doch irgendwann auf Maklerseiten à la Immonet oder Immobilienscout24, die einem für das bloße Aufschließen der Wohnungstür und einen Standard-Mietvertrag zwei Monatskaltmieten an Courtage aus den Rippen leiern wollen.

Makler? Warum verdammt sind die nicht längst tot?
Das Internet war nie besonders freundlich zu Zwischenhändlern oder Mittelmännern. Reisebüros,  Plattenläden oder Videotheken waren früher allgegenwärtig, wurden im letzten Jahrzehnt aber quasi von der Straße gefegt. Der Grund ist simpel: Das Netz ermöglicht es, auf die Dienste schneller, günstiger und mit höherer Preistransparenz zurückzugreifen. Also muss das Reisebüro schließen und an seiner Stelle entsteht eine weitere Starbucks-Filiale. Alle Mittelmänner sind tot, nur Wohnungsmakler nicht. Warum? Sind Makler die Zombies unter den Zwischenhändlern, die sogar einen Atomkrieg überleben würden? Weiterlesen

iTunes Match: Ich wasche meine Torrents in Unschuld

Legal, illegal - klick, egal. (andrew_wertheimer@flickr.com)

Apple hat gestern ein paar interessante neue Dinge vorgestellt. Eines der zahlreichen neuen Features von iTunes nennt sich „iTunes Match“. Offiziell ist es ein Dienst, der alle MP3s auf deiner Festplatte mit iTunes abgleicht – und sie von da an wie gekaufte Musik innerhalb des kostenpflichtigen iTunes Kosmos behandelt. Inoffiziell ist es damit eine digitale Waschmaschine, die geklaute MP3-Musik in “legale” verwandeln kann. Apple scannt auf Wunsch deine Musikdatenbank und gleicht sie mit den 18 Millionen Songs ab, die es im Moment im iTunes-Store gibt. Diese Songs können dann kostenlos und legal jederzeit von iTunes heruntergeladen werden. (Im Apple-eigenen AAC Format). Preis für das Hütchenspiel: 25 $ im Jahr.

Tschuldigung, WAS?
Noch mal im Klartext: Ich kann also meine iTunes Library abgleichen, dann die alten MP3s löschen und die ganze Musik noch mal von Apple blütenrein lizenziert mit Coverbildchen und allem herunterladen. Für 25 $, ohne jeglichen Nachweis, dass ich die Rechte an den MP3-Dateien besitze. Offiziell geht es dabei darum, privat gerippte CDs in das neue iCloud-System einzuführen. Inoffiziell wirft das einen Haufen Fragen auf: Was passiert, wenn ich statt mit privat gerippten CDs mit sagen wir mal 50 Gigabyte an MP3s mit urheberrechtlich schwieriger Quellenlage ankomme? Laut Apple würden die dann für 25 $ im Jahr zu einem völlig „legalen“ Musikarchiv. Dürfen die das überhaupt entscheiden? Weiterlesen

iPaid: Wie Online-Journalismus tatsächlich funktionieren könnte

RSS ist zu viel Stress. (cphotos@flickr.com)

Seit ein paar Tagen klicke bzw. tappe ich mich durch die digitale Magazinlandschaft, die sich auf dem iPad so versammelt hat. Wir erinnern uns, das iPad soll ja den Journalismus wieder zu dem machen, was er vor der digitalen Revolution mal war. Einfache, hoch bezahlte Arbeit für eine ehemalige Informationselite. Profitabel.

Erfolgsmodell kalter Kaffee
Die große Hoffnung der Verlage: Apples “lean back” Konsummaschine soll die Zahlungsbereitschaft für digitalen Content endlich herstellen. Denn wenn etwas Zeit spart und bequem genug ist, dann zahlen Leute auch dafür. Selbst dann, wenn die gleiche Ware unter etwas Anstrengung für günstiger oder gar umsonst zu haben ist. Bestes Beispiel: Der Siegeszug von Kaffeepads. Klar, das Zeug ist teurer als ein Pfund Kaffee im Supermarkt zu kaufen und loszubrühen. Die Plörre ist meistens schon kalt wenn sie aus der Maschine kommt und schmeckt nicht besonders – aber man muss wenigstens nur einen einzigen Knopf drücken. Was wäre also toller für einen Verlag, als das gute alte Geschäftsmodell der Print-Branche auf Tablet-PCs und Ebookreader zu übertragen? Der User kauft mit einem Klick im Apple Store, Android Market oder noch besser: der eigenen Kiosk-App ganz einfach die aktuelle Ausgabe. So weit, so rührend. Weiterlesen