Warum das Fernsehen die nächste Musikindustrie ist.

CD-Verkäufe befinden sich seit Jahren im Sturzflug, Zeitschriftenauflagen fallen, die Filmindustrie verzeichnet weniger Kinobesucher. Warum? Internet. Jetzt erwischt es das Fernsehen, und zwar zu Recht – man hat jahrzehntelang die digitale Entwicklung ignoriert. Eine bekannte Strategie: Der Fehler der Musikindustrie war es, jahrelang zuzusehen, wie immer effizientere und umfangreichere Tauschbörsen entstanden – ohne einen zentralen, legalen Dienst anzubieten, über den man Musik in digitaler Form über das Netz erwerben kann. Das machte dann erst Apple mit iTunes – mit bekanntem Erfolg. Das Muster wiederholt sich.

Abwarten und auf den Apfel starren

Es ist das Gleiche bei den Verlagen: Alle träumen von bezahltem digitalen Inhalt, aber niemand bekommt es hin, einen offenen, bedienbaren digitalen Kiosk zu eröffnen. Prompt schielten alle wieder auf Apple, die wie schon beim iPod erst mal das Rezeptionsmedium selbst erschufen – um dann im zweiten Schritt Zeitschriften als Apps über die selbe Plattform zu verkaufen wie schon vorher Musik. Mit satter Marge, und unendlich viel kostenloser Werbung von Verlagsseite für das iPad.

Das Leitmedium der 1960er

Nun wartet man praktisch nur darauf, was mit dem klassischen Fernsehprogramm so passieren wird. Im Vergleich zur CD oder zur Zeitschrift wirkt das traditionelle TV-Rezeptionsschema sogar noch viel antiquierter: Dem Zuschauer wird allen Ernstes abverlangt, seinen Lebensrhythmus nach dem TV-Programm zu richten, oder auf verstaubte Aufnahmetechniken zurück zu greifen. Zaghafte Schritte in Richtung digitaler Realität wurden mit den öffentlich-rechtlichen Mediatheken probiert – und in kleinlichem Zank von den Konkurrenten auf quasi unnützes Maß zurück gestutzt. So bleiben Sendungen nur eine Woche im Netz gespeichert – ein schlechter Witz.

Technisch machbar, rechtlich verzankt

In den USA hat man sich mit legalen Straming-Diensten wie Hulu schon in die richtige Richtung bewegt – sogar mit „paid“ Ansatz. Sollte ein vergleichbares Angebot nicht in Deutschland möglich sein, wird es den TV-Sendern wie der Musikindustrie gehen. Schon heute schauen viele ihre Serien und Filme lieber im Netz – auf (illegalen) Streaming-Seiten wie kino.to, fastpass.tv und wie sie alle heißen. Mit begrüßenswerten Hacks, wie der Möglichkeit das Mediacenter XBMC auf Apples „AppleTV“ Gerät zu bringen, deutet es sich schon an: Der digitale Mensch will seinen riesigen Flatscreen nicht antiquierten Broadcast-Spielregeln unterwerfen. Das Internet hält Einzug in die Heimkino-Systeme – und schlägt klassisches Fernsehen in Aktualität, Bedienbarkeit, Vielfalt und teils sogar technischer Qualität um Längen. Dauerhafter und einfacher Zugriff auf legale und illegale Streamingseiten inklusive.

Jetzt heißt es rudern für die trägen TV-Sender – sonst geht es ihnen schnell wie den Verlagen und der Musikindustrie. Das Internet war nie besonders gut zu Zwischenhändlern – vor allem, wenn sie keinen Mehrwert bieten, sondern die Transaktionskosten noch erhöhen.

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